Es wird …

Die letzten Sätze der „Ketzersbuhle“ werden gerade geschrieben … Ursprünglich hatte ich das Gros des Textes für diesen Band 4 der Ersten Tochter eigentlich schon einmal vorliegen. Aber dann hatten Myn, Vairrynn und Ftonim andere Ideen. Ganz zu schweigen von gewissen weiteren Playern auf Singis …

Doch was lange währt, wird in der Regel besser. Davon bin ich als Autorin überzeugt. Und ich bin sehr glücklich mit dem, was meine Lieblingskinder sich so alles haben einfallen lassen.

Deswegen gibt es heute einen Sneakpeek in die „Ketzersbuhle“. Er setzt da an, wo Band 3, „Narrenbraut“, aufhört und erzählt ein kleines bisschen weiter …

Eine Legende erschafft sich selbst

Genug ist genug, denkt sich Myn. Sie will ihre Welt verändern. Aber in einer Welt, in der immer noch die Väter das letzte Wort haben und ein autokratischer Oberster Priester regiert, hat sie als Frau weder Macht noch Einfluss. Also muss sie sich ein Netz aus Verbündeten knüpfen.

Myns Adoptivbruder Vairrynn wiederum braucht eine Antwort auf eine Frage. Dafür ist er bereit, dem Schattenherrn selbst ins Gesicht zu blicken. Das Universum will einen Helden? Dann soll es ihm geben, was er verlangt.

Und nun der Sneakpeek, meine Lieben! 🙂 Er erzählt von Vairrynn, der Frage, die er stellt, und seiner Konfrontation mit Ktorram Asnuor, dem großen Antagonisten der „Ersten Tochter“!

Leseprobe: Die Konfrontation

Wie ein Schlaglicht hob ein Blütezeitsonnenstrahl, der durch das hohe, geschliffene Fenster des Konferenzraums fiel, die Gestalt des Feldherrn von seiner Umgebung ab. Oder vielleicht lag das auch an Vairrynns diamantscharfem Fokus, der auf Asnuor und nur auf Asnuor gerichtet war. Die Verwirrung des letzten halben Tages, das Gefühl, in ein Dutzend Richtungen gleichzeitig gerissen zu werden, war einer singulären Klarheit gewichen, wie sie mein Himmelsreiter nur wenige Male in seinem Leben empfunden hatte. Sie hatte ihn direkt zum Palast der Berufenen geführt, in das Herz von Asnours Macht, vor das Angesicht des erhabenen Feldherrn des Wy höchstpersönlich.

Das letzte Mal, da Vairrynn bewusst in diese Augen geblickt hatte, hatte er seinen Kschurr gezogen, um der Frau, die er Mutter nannte, den Gnadentod zu geben; hatte sich dieser Blick wie ein Grabwurm in sein Innerstes gebohrt und dort einen Schaden angerichtet, dessen er sich erst Jahre später bewusst geworden war – wenn überhaupt. Und jetzt sah ihn Asnuor mit einem erwartungsvollen Leuchten an, das dessen ganzes Selbst schillern ließ. Oder nicht schillern; es hatte keine Farbe, nicht wirklich. Es war wie ein Feuer, wäre Feuer schwarz gewesen, und wie ein Schatten in Weiß getaucht.

Vairrynn beschloss, das Schattenlicht zu ignorieren. Letzten Endes war er nicht wegen des Feldherrn des Wys gekommen. Nicht wirklich.

„Wo ist Ftonim Sar?“, fragte er und trat gerade so nahe an sein Gegenüber heran, um ein Gefühl des Unbehagens entstehen zu lassen. In jedem anderen zumindest. Ob Asnuor überhaupt Unbehagen empfinden konnte, dessen war sich mein Himmelsreiter nicht so sicher. Aber irgendetwas würde eine solche Nähe selbst bei ihm auslösen.

Der Feldherr reagierte jedoch zunächst gar nicht. Stattdessen regte sich die Viper – Mnuran Sna, der schräg hinter Asnuors linker Schulter stand.

„Was ist denn das für eine Frage? Was sollte den Feldherrn des Wy der Verbleib irgendeines Weltraumtrödlers kümmern? Und Sie wagen es, Seine Gnaden deswegen zu behelligen, ganz zu schweigen davon, dass Sie die Ruhe des Nachfesttages stö…“

„Mnuran.“ Das Wort war ruhig und gemessen ausgesprochen und brachte Sna der Einheit sei Dank zum Verstummen. „Das Wohl seiner Untertanen ist durchaus etwas, worum sich ein Feldherr sorgen sollte. Und es ist mein Vorrecht, zu entscheiden, wem ich ein besonderes Interesse angedeihen lasse. Bitte geh jetzt, Mnuran.“

Empörung, gemischt mit Entsetzen, gemischt mit Erbitterung, quoll aus Snas Lebensinnenraum wie siedender Teer; Vairrynn spürte es regelrecht auf der Haut. Er musste sich zusammennehmen, um seinen Blick nicht von Asnuor zu wenden. Die Viper war nicht sein Problem.

„Ich kann dich nicht mit einem Neoly allein in einem Raum lassen!“, entfuhr es Sna.

Asnuor sah ihn nicht an; lächelte ein kleines, feines Lächeln, das ganz allein an Vairrynn gerichtet war. „Keine Sorge, Mnuran. Mir wird kein Leid geschehen.“

„Wie kannst du dir so sicher sein? Er sieht dich an, als würde er dir jeden Moment den Hals brechen!“

Neugierig geworden?

Ein bisschen dauert es schon noch, bis Band 4 herauskommt. Er muss noch in Lektorat, Gestaltung und Satz … Aber wir sind auf der Zielgeraden, meine lieben Lesedrachen! <3